film-sprache.de - Kino Film Kritik Empfehlung Weblog Blog Video DVD Blockbuster Programm neue und alte Filme Klassiker

Dienstag, September 26, 2006


Action! Film Kino Kritik
Das Parfum von Tom Tykwer

Als
Patrick Süskind im Jahre 2001 endlich dem Bitten und Betteln Bernd Eichingers nachgab und ihm die Rechte an seinem Jahrhundertwerk Das Parfum überließ, schien der fertige Film bereits zum Greifen nah. Die fünf Jahre zwischen Vertragsabschluss und Premiere boten reichlich Raum für Spekulationen, was ein Tom Tykwer wohl mit dem als unverfilmbar geltenden Stoff anfangen würde.
Unverfilmbar? Mit diesem ehrfürchtigen Attribut schmückten sich bereits ganz andere Bücher, die dann doch erfolgreich auf die Leinwand gehievt wurden; man denke nur an American Psycho, Der Name der Rose oder den Herr der Ringe.

Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders - online bestellen Doch allein die Story aus Das Parfum unterscheidet sich gravierend von diesen Vorläufern. Denn die Welt des Jean-Baptiste Grenouille ist die der Gerüche. Gesegnet oder verflucht mit einem außergewöhnlichen Geruchssinn sehnt er sich danach, alle Düfte der Welt zu sammeln und die schönsten für immer zu konservieren.

Besonders fühlt sich seine Nase zu elfenhaften, häufig rothaarigen Porzellanprinzessinnen hingezogen und sein erster Mord, der eher zufällig geschieht, löst in Grenouille den Wunsch aus, das perfekte Wässerchen aus dem Geruch dieser Frauen zu extrahieren. Dabei hält er sich streng an die Vorgehensweise eines professionellen Parfumeurs, trennt die verschiedenen Geruchselemente auf und will seine Kreation letztlich mit einer blutjungen, wohl behüteten Tochter aus reichem Hause krönen. Die Spannungskurve des Films reitet auf der Frage, ob ihm dies gelingen wird, was angesichts der Popularität des Romans eher nebensächlich scheint.

Insgesamt ist Das Parfum ein opulentes Mahl geworden. Das Paris des 18. Jahrhunderts könnte tatsächlich so ausgesehen haben und trotz pompöser Kulissen umwittert die 60-Millionen Euro Produktion mitnichten der muffig-barocke Geruch eines Kostümfilms. Ben Whishaw, der als Protagonist Grenouille nicht annähernd so hässlich ist wie dank Süskinds Beschreibungen in den Köpfen von ca. 15 Millionen Lesern, ist ebenfalls ein Glücksgriff. Wirkt der Theaterschauspieler in den kurzen Trailern noch als durchaus attraktiver Jüngling, beunruhigt er im Verlauf seiner Performance, verstört direkt durch die beinah autistisch wirkende Emotionslosigkeit, mit der er seinen nur für den Beobachter perfiden Plan absolviert.

Schaut man genauer hin, offenbart sich ein in sich gekehrter Mensch, der sich lediglich einen Herzenswunsch erfüllen will, um endlich Frieden, Glück und vielleicht sogar Liebe zu finden. Dabei gelingt Whishaw der Balanceakt zwischen brutaler Bösartigkeit und rührender Naivität derart eindringlich, dass er von Minute zu Minute bedrohlicher wirkt, ohne dafür auch äußerlich abstoßend sein zu müssen.

Allen Bewunderern des Buches im Speziellen und fundamentalistischen Gegnern von Literaturverfilmungen im Allgemeinen sei gesagt, dass diese kleinen Abweichungen dem Film nicht geschadet haben.
Grenouilles Erscheinungsbild oder die zeitliche Raffung, die dazu führt, dass seine Eremitenposse in der einsamen Höhle nur fünf Minuten und keine drei Jahre währt, sind somit nicht das Manko des Films. Im Gegenteil, um die Grundidee des Parfums stimmig in eine filmische Form zu wandeln, wäre ein Mehr an künstlerischer Freiheit durchaus interessant gewesen.

Gerüche spielen in unserem Leben eine immense, wenn auch unterbewusste Rolle, scheinen aber auf der Leinwand nicht abbildbar, was das eigentliche Problem des Films darstellt. Da kann Tykwer noch so häufig eine Nase überdimensional auf die Leinwand projizieren, Grenouille die Nüstern blähen lassen und den Weg der unsichtbaren Geruchspartikel per Steady-Cam verfolgen - das Erlebnis der Düfte bleibt dem Zuschauer verwehrt.

Schließlich sind Gerüche häufig mit Erinnerungen, spontanen Assoziationen verknüpft. Wer von uns hat noch nie in einem einsamen Moment den vollgeschwitzen Pullover eines Geliebten an sich gepresst, um mit dem Geruch wenigstens ein Stück des anderen zum Greifen nah zu haben?

Düfte sind flüchtig und greifbar werden sie in das Parfum bloß einmal, als Baldini (Dustin Hoffman) an der ersten Mischung Grenouilles riecht. Plötzlich befindet er sich in einer Laube und ein Meer aus abertausenden Blumen umgibt ihn, als eine unbekannte Schönheit vorbeischwebt und ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange haucht.

Vielleicht wollte Tykwer seinen Film durch diese Darstellung der Düfte nicht zu kitschig werden lassen. Aber allein in diesem Augenblick vermag der Zuschauer die Wand zwischen der Realität des Kinosaals und der fiktiven Welt Grenouilles zu durchbrechen.

Dieselbe Unüberwindbarkeit macht auch den zweiten gravierenden Fehler des Films aus. Der Killer in Grenouille ist weder charismatischer Sympathieträger noch irrer Psychopat und die oben erwähnte Wand trennt auch Grenouille in seiner stillen Introvertiertheit vom Publikum. Dass das Duftkino nach einer kurzen Episode in den 1960er Jahren nicht etabliert wurde, kann man Tykwer kaum zum Vorwurf machen.
Dass Grenouilles Innenleben im Dunkelen bleibt und seine innere Kontemplation durch einen Erzähler bestenfalls angedeutet werden kann, hingegen schon. Weniger Treue zur literarischen Vorlage hätte eine Alternative für diese Erzählform bieten können. Doch hierfür ist Tykwer, der mit Lola rennt Erfolg hatte und vor allen Dingen mit dem poetischen Heaven oder Der Krieger und die Kaiserin verzauberte, indessen wohl leider zu sehr Nutte des Kommerz geworden. Eine Edelnutte, zugegeben, aber niemand, der dieser Adaption seine eigene Note zu geben wusste.

So wirkt Das Parfum wie ein schön anzuschauendes Fest, das elegant zwischen Kostümball und Thriller wandelt und mit Ben Whishaw einen hervorragenden Neuling ins Rampenlicht stellt, welches allerdings von zig anderen talentierten Regisseuren hätte kreiert werden können. Was bleibt ist das Gefühl, ein erlesenes Mahl serviert zu bekommen, das jedoch nie zum Verzehr gedacht war und letztlich nach rein gar nichts schmeckt.

Maxi Braun
(17.9.2006)

P.S.: Dieser Text verweigert sich, nebenbei bemerkt, in sturer Konsequenz dem inflationär von jedem noch so unbedeutenden Schmierfinken in Zusammenhang mit diesem Film in den deutschen Sprachraum geklugscheißten "olfaktorisch" - als kleiner Gruß an alle phantasielosen Tastenhacker da draußen...

Freitag, September 22, 2006


Action! Film Kino Kritik
Im Dunkeln mit "Stromberg" Christoph Maria Herbst

Wieder ist ein neuer Kurts-Film erschienen, diesmal jedoch nicht wie bei
Pulp & Style als Kollektion ausgesuchter, thematisch bzw. stilistisch artverwandter Kurzfilmhappen, sondern als Einzelfilm. Ob Im Dunkeln diese Ehre gebührt, kann ferner nur unter verschiedenen Blickpunkten erschlossen werden.

Im Dunkeln mit Christoph Maria Herbst - Film, DVD, Video - online bestellen Als erstes wäre da die reine, unverfälschte Sicht auf einen Film und seine Geschichte. Mit Im Dunkeln entführt Regisseur Johannes Grebert in die typische Kleinstadt irgendwo auf dem Lande, wo Schützenfeste das Highlight gesellschaftlichen Lebens bedeuten.

Man hat getanzt und getrunken, um dem Alltag zu entfliehen und zwei Pärchen brechen auf und ahnen nicht, dass es zwischen der Partyscheune und dem lockenden Bett diesmal schlimmere Hindernisse zu überwinden gilt als ein paar Schnapsleichen.

Am Ende des Viertelstünders wird aber die spießbürgerliche Fassade aufgebrochen sein, um den Blick auf die Hölle hinter der Idylle freizugeben. Grebert verleiht den archetypischen Figuren eine erstaunliche Tiefe und bereitet sein Publikum behutsam auf die für die kurze Erzählzeit recht zahlreichen Wendungen vor, ohne ihnen das Überraschungsmoment zu verwehren.

Stromberg - 1. Staffel (2 DVDs) - Film, DVD, Video - online bestellen Kamera, Schnitt, Spannungsbogen - alles riecht nach Kino. Und dennoch, so ganz alleine will Im Dunkeln dann doch nicht als Filmerlebnis der besonderen Art faszinieren. So kann man Kurts-Film dankbar sein, dass auch hier nicht auf Bonusmaterial verzichtet wurde, welches die zweite Sichtweise auf Im Dunkeln beschert. Denn in Kombination mit dem Interview des Regisseurs und Christoph Maria Herbst, Teil des Darstellerquartetts, eröffnet die DVD für uns filmversessene Freaks einmal mehr die Möglichkeit, hinter die Kulissen zu schauen.

Grebert und Herbst plaudern dabei entspannt und informativ über den Film, so dass sich die Story und vor allen Dingen die dahinterstehende Intention, intensiver erschließen lässt. Und dennoch können wir letztlich nur erahnen, dass auch hinter einem kleinen Film sehr viel mehr Arbeit, Mühe und auch Ideenreichtum steckt als zunächst vermutet.

Der Wixxer Oliver Kalkofe, Christoph Maria Herbst - Film, DVD, Video - online bestellen Die dritte Perspektive, die wir bei der Betrachtung dieses Kurzfilms einnehmen, ist die von Christoph Maria Herbst. Noch vor seinem Auftritt als sich als Führer anbietender Butler in Kalkofes Wallace-Hommage Der Wixxer und der Erschaffung eines Serien-Phänomens namens Stromberg, drehte Christoph Maria Herbst 2004 Im Dunkeln ab. Als Johannes Grebert ihm telefonisch die Rolle anbot, war seine einzige Frage laut eigener Aussage "Ist es eine Komödie? Nein? Gut!".

Nach seinem Aufstieg an der Seite Anke Engelkes in Ladykracher muss ihm sehr viel zähe, humoristische Einheitskost ins Haus geflattert sein. So ist es nur allzu verständlich, dass Herbst für jeden Ausbruch aus der Genrefalle dankbar war. Heute ist das freilich anders, aber für nostalgische Herbst-Fans ist es dennoch schön zu verfolgen, wie er einst sein Spektrum allmählich ausbaute, u.a. mit dieser kleinen Rolle.

Wie sehr man Im Dunkeln jedoch auch dreht und wendet, letztlich wird dennoch deutlich, dass nur die wenigsten Kurzfilme alleine bestehen können. Die meisten brauchen einen Rahmen. Sei es als Vorfilm im Kino, in Programm und Atmosphäre eines Festivals oder eben als Teil einer Kollektion, in der Im Dunkeln trotz perfekter Machart, guten Darstellern und interessanter Geschichte zweifelsohne besser aufgehoben gewesen wäre.

Maxi Braun
(15.8.2006)

amazon.de:
· Im Dunkeln
· Stromberg - 1.Staffel
· Stromberg - 2.Staffel

Sonntag, September 17, 2006


Action! Film Kino Kritik
Carne Vale - Fastnacht der Toten Seelen

Carne Vale ist ein Funsplatterkurzfilm der auf diese Lauflänge spezialisierten Berliner von Kurts Filme. Die Story ist selbstredend schnell erzählt: Ein fertiger Typ erwacht Rosenmontag aus dem Suff, isst etwas sich bewegendes und verwandelt sich in einen Zombie. Mit der Zeit treffen immer mehr Compadres von ihm ein und so beginnt die "Fastnacht der toten Seelen".

Carne Vale Cover Der Film ist sowohl von den Effekten als auch von der gesamten Umsetzung auf besserem No-Budget-Niveau, was hervorragend zu den ihre Rollen leider viel zu ernst nehmenden Laienschauspielern passt. Es gibt keine einzige ordentliche Nahaufnahme einer kannibalistischen Mahlzeit und Innovationen bezüglich der Angriffe werden vergeblich erwartet.

Wäre der humoristische Aspekt zur Geltung gekommen, hätte ich diesem Streifen etwas abgewinnen können, aber leider beschränkt sich der Humor auf einen recht dumpfen Scherz bezüglich der Feindschaft von Mainz und Wiesbaden am Ende - und auf einige noch misslungenere Versuche, witzig zu sein.

Carne Vale Szene Zu empfehlen ist der mit 19 Minuten auf einer eigenen DVD von Kurts Filme definitiv überbewertete Streifen höchstens Komplettisten, die jeden unkommerziellen Horror-/Splatterfilm in ihrer Sammlung benötigen.
Nein, Carne Vale bricht nicht mit der Tradition, daß deutsche Splatter-Produktionen billig und uninspiriert sind; viel eher bestätigt er dieses Vorurteil und läßt den blutrünstigen Interessierten eher unbefriedigt zurück.

Schade, daß diese wunderbare Idee, Zombies auf die nervtötenden Narren Mainzer Niedertracht loszulassen, auf diese Weise umgesetzt wurde - man hätte wesentlich mehr daraus machen können. Ein laues Sympathiepünktchen gibt es noch für die Idee, daß man vom Schimmelfrass Zombie werden kann, und ein weiteres für die Szene nach der Zombie-Werdung und ersten Übertragung auf der Toilette. Diese Pünktchen sollten Carne Vale meiner Meinung nach aber wieder entzogen werden, weil der Neben-Plot über das Pärchen langweilend und absolut überflüssig ist.

Carne Vale Szene Aber was kann man schon von einem Splatter-Kurzfilm erwarten, der von jemanden gedreht wird, der das Genre danach mit dem Filmen eines Dramas verrät? Nein,
Sebastian Linkes und Daniel Stümpfigs Carne Vale ist keine Perle, auch wenn er die richtigen Ideen innehatte, um eine werden zu können.


Bricktop
(4.9.2006)

Carne Vale
Deutschland (2004)
Idee & Realisation: Daniel Stümpfig, Sebastian Linke
imdb: Carne Vale
kurtsfilme.de: Carne Vale DVD


 

home
filmkritik index
film-festivals index

film-sprache.de RSS-Feed - Update-Intervall-Empfehlung: 24 Stunden  ?
Add to My Yahoo!
Add to Google
Add to My MSN

dvd-vorschau DVD Neuerscheinungen Neuheiten Starttermine Erscheinungstermine Veröffentlichungen Vorschau

bookmark
empfehlen
mitarbeit

top-partner
FSK 18 Filme uncut
Film-Poster Kino-Poster
weitere Film-Links
Linkpartner werden

archiv
01-2002 02-2002 03-2002
04-2002 05-2002 06-2002
07-2002 08-2002 09-2002
10-2002 11-2002 12-2002
01-2003 02-2003 03-2003
04-2003 05-2003 06-2003
07-2003 08-2003 09-2003
10-2003 11-2003 12-2003
01-2004 02-2004 03-2004
04-2004 05-2004 06-2004
07-2004 08-2004 09-2004
10-2004 11-2004 12-2004
01-2005 02-2005 03-2005
04-2005 05-2005 06-2005
07-2005 08-2005 09-2005
10-2005 11-2005 12-2005
01-2006 02-2006 03-2006
04-2006 05-2006 06-2006
07-2006 08-2006 09-2006
10-2006 11-2006 12-2006
01-2007 02-2007 03-2007
04-2007 05-2007 06-2007
07-2007 08-2007 09-2007
10-2007 11-2007 12-2007
01-2008 02-2008 03-2008
04-2008 05-2008 06-2008
07-2008 08-2008 09-2008
10-2008 11-2008 12-2008
01-2009 02-2009 03-2009
04-2009 05-2009 06-2009
07-2009 08-2009 09-2009
10-2009 11-2009 12-2009
01-2010 02-2010 03-2010
04-2010 05-2010 06-2010
07-2010 08-2010 09-2010
10-2010 11-2010 12-2010


blogger.com

impressum
copyright
disclaimer

Filmring




- Anzeige -



- Anzeige -



- Anzeige -

Visits

off-topic partner
aktien-blog.de
arbitrage.de
aktienratings.de
bastler-online.de
behavioralfinance.de
chartanalyse-charttechnik.de
dollar-euro-chart.de
fando.de
film-sprache.de
finanzforen.de
fondsratings.de
futures-optionen.de
gemeinschaftsdepot.de
gold-minen.de
high-ender.de
immos-online.de
index-fond.de
intradaycharts.de
kontaktanzeigen-singles.de
lutz-duevel.de
oscheine.de
pferdejagd.de
rotweine-weissweine.de
sexist.de
silber-minen.de
singlefun.de
singleteam.de
solo-tv.de
stopploss.de
taprofessional.com
topsingle.de
trading-tv.de
tradingrange.de
vocable.de
voip-sip.de
wand-kamine.de




COPYRIGHT (c) 2002-2008 film-sprache.de - www.film-sprache.de - Sitemap