Handlungsfäden mit Spliss
Wenn man einen Regisseur und Hauptdarsteller in Personalunion enthusiastisch auf die Bühne springen sieht, um seinen Film vorzustellen, möchte man diesen lieben, komme was wolle. Leider funktioniert das im Fall von Mitchellville von John D. Harkrider nicht recht.
Nur ganz allmählich kommt der kryptische Thriller in Fahrt. Gabriel Williamson ist ein erfolgreicher Anwalt, der schon mal bis spät in die Nacht im einsamen Büro seiner Spitzenkanzlei ackert, während seine Frau sich daheim alleingelassen fühlt - und das am Hochzeitstag.
Von dieser Doppelbelastung, seiner Ehe und seinem stressigen Job, erzählt Gabriel (Harkrider) während seiner Sitzungen bei einem Analytiker, die die Rahmenhandlung von Mitchellville bilden.

Wer La Comunidad von Alex de la Iglesia gesehen hat, weiß: es kann immer noch schlimmer kommen. Wer die nette Mietsmischpoke in der Chilestraße Hausnummer 672 kennen lernt, weiß mehr, denn sobald es schlimmer geworden ist, setzt das Schicksal noch einen ordentlichen Schlag drauf. Hier braucht es keinen Koffer voller Geld, um das Böse aus den menschlichen Abgründen hervorzulocken.
In der Retrospektive erzählt Geschichtslehrer Pedersen (Kristoffer Joner, der aussieht wie die skandinavische Variante von Kevin Bacon) seinen gelangweilten Pennälern von einer Zeit, als sein Mittelscheitel bedenklich verrutschte, der Kalte Krieg noch ein heißes Eisen war und die kommunistische Weltrevolution für alle Revoluzzer zum Greifen nah schien.
Einen lichten Moment hatte Joel (Jonas Chernick) schon lange nicht mehr, eher gleicht sein Balanceakt zwischen Arbeit und Privatleben mehr und mehr einem Albtraum. Aus diesem schreckt er immer wieder in einer Realität auf, in der ihn seine Frau in flagranti erwischt und prompt verlassen hat. Nun kämpft er sich als alleinerziehender Vater durchs Leben.

