Das klingt nach einem Kleinod. Und wenn man sich in den ersten Minuten nicht vom s/w und dem englischen Originalton mit Untertiteln abschrecken lässt, wird man nicht enttäuscht. The Addiction entpuppt sich als subtiler Low-Budget-Film, der mit vielen philosophischen Streifzügen zum Nachdenken anregt.
Ein Horrorfilm ist dies nicht, obwohl der Vampirismus hier erheblich bedrohlicher dargestellt wird als in den allseits bekannten Filmen des Genres, bei denen man sich manchmal insgeheim fragt, ob der untote, endlose Zustand nicht seine Vorzüge hätte - romantisch, sinnlich bei Coppolas Dracula und Neil Jordans Interview mit einem Vampir oder total cool bei Blade.
Die von Lili Taylor (Short Cuts, High Fidelity) verkörperte Philospophie-Studentin Kathleen Conklin wird gleich zu Beginn von einem Vampir gebissen und illustriert im weiteren Verlauf überzeugend die Furchtbarkeit einer allzu menschlichen, in den unterschiedlichsten Formen auftretenden Schwäche: Sucht.
Nicht recht klar wird bis zum Schluss, welche Assoziation Ferrara (King of New York, Bad Lieutenant) mit den intermittierend eingeblendeten Holocaust-Bildern bezwecken will. In einem Interview erklärt er, Vampirismus sei für ihn nicht nur ein Symbol für Drogensucht, sondern für die Sucht nach allen
möglichen materiellen Dingen, dem Bösen.