Don't be afraid of the dark - del Toro, Nixey

Don't be afraid of the dark Der Eröffnungsfilm des diesjährigen Fantasy Filmfestivals im Kölner Cinedom lässt uns wieder zu Kleinkindern werden, die in den tiefen und verwinkelten Schatten unter dem Bett oder im Kleiderschrank eine düstere Welt, bevölkert mit Kreaturen der Nacht, vermuten. Die Schauermär beginnt im Jahre 1910 im kerkerähnlichen Kellergewölbe des Blackwood-Manors, ...

... wo der exzentrische Künstler Emerson Blackwood die frisch selbst gezogenen Zähne des Dienstmädchens unbekannten Wesenheiten im Austausch gegen das Leben seines Sohnes anbietet, bevor er selbst für immer vom Antlitz der Erde verschwindet. Zurück in der Gegenwart treffen wir auf Sally Hirst (Bailee Madison), ein junges, introvertiertes Mädchen, die gerade mit ihrem Vater Alex (Guy Pearce) und dessen neue Freundin Kim (Katie Holmes) in besagtes Anwesen zieht. Während ihr Vater beschäftigt ist, das Grundstück zu renovieren, um seine Karriere anzutreiben, und Kim versucht sich vorsichtig Sally anzunähern, beginnt diese Stimmen zu hören, welche sie in das lange verschlossene Gewölbe locken, womit das Unheil seinen Lauf nimmt...

Guillermo del Toro (Pans Labyrinth, Hellboy) hat sich mit diesem Film einen Kindheitswunsch erfüllt. Das gleichnamige Original, ein ABC-Kultfilm von 1973, war der Stoff, aus dem seine (Alp-)Träume gefertigt sind und den er für uns in ein neues Leichengewand hüllen wollte. Als Produzent und Mitverfasser des Drehbuchs übergab er sein Projekt in die Hände des Regieneulings Troy Nixey.

Don't be afraid of the dark Dies war eine gelungene Wahl, denn Nixey hat es geschafft, einen grundsoliden Haunted-House Horror zu kreieren und sich als guter Schüler seines Mentors erwiesen. Das Motiv und die Atmosphäre atmen den Stil del Toros, der zwischen einem Märchen der Gebrüder Grimm und den Fieberträumen eines Hyeronimus Bosch oder H. P. Lovecrafts anzusiedeln ist, wie sie bis dato nur der Meister selbst und Tim Burton (Beetlejuice, Corpse Bride) kredenzen konnten.

Das Anwesen an sich ist prädestiniert, einen an dunkle Sagen glauben zu lassen, opulent und gleichzeitig bedrohlich ist seine Pracht, so dass es sich hierbei um den eigentlichen Star des Ganzen handelt. Ein grummelnder eremitischer Hausmeister, der verschrobene Bibliothekar und die freundliche Bedienstete gehören da einfach mit zum Inventar, um die viktorianische Schauerschönheit zu komplettieren.

Interessant ist, dass im Gegensatz zum Original, in welchem eine erwachsene Sally (Kim Darby) die Hauptrolle spielt, ein Kind der Protagonist ist.

Don't be afraid of the dark Kindliche Heroen sind eine zweischneidige Angelegenheit, denn der Grat zwischen geglückten schauspielerischen Leistungen und einer Komplettkatastrophe ist genau so schmal wie bei vollbusigen Blondinen. Die für ihr Alter schon als Veteranin zu geltende Bailee Madison (Brücke nach Terabithia) überzeugt aber vollkommen. Ständig möchte man ihr vor so viel vitaler Properheit in die Backe kneifen und dennoch gelingt es ihr, die innere Zerrissenheit als Spielball zweier sie liebender, aber ständig mit sich selbst ringender und dem rationalen Wahnsinn erlegenen Eltern gekonnt darzustellen und die äußere Gefahr durch obskure Mächte spürbar zu machen.

Don't Be Afraid of the Dark DVD - online bestellen Den einzigen Wermutstropfen stellen (mal wieder) die CGI-Eskapaden dar. Weniger wäre mehr gewesen, auch wenn sie weit entfernt sind von einem Debakel wie Haunted Hill. Das Flüstern und Knarzen im Dunklen ist weitaus effektiver als die Auflösung des Ganzen, welche zwar für einige gute Schockmomente sorgt, alles in allem aber der Spannung ein wenig entgegenwirkt. Insgesamt hat Troy Nixey mit Don't be afraid of the dark aber eine grundsolide Gruselmär geschaffen, die ein atmosphärisches Kinoerlebnis verspricht.

Angelos Botsaris
07.09.2011

Offizielle Website: http://www.dontbeafraidofthedark.com/
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