Alles stimmt, das Video läuft. Escape from L.A. beginnt wie der 1.Teil, der Zuschauer wird in Kurzform über die Situation der Zukunft aufgeklärt : Die USA haben ein globales Satellitennetz entwickelt, mit dem jeder beliebige Standort auf der Erde mit der Funktion einer Neutronenbombe in die Steinzeit versetzt werden kann, jedes stromversorgte Gerät versagt.
Es herrscht öffentliche und mentale Sauberkeit. No smoking. Kriminelle und vermeintliche Staatsfeinde, die gegen die Regeln verstoßen, werden in das vom Festland abgegrenzte und streng bewachte Los Angeles deportiert. Dort herrscht das Gesetz des Stärkeren. Wer nicht hin will, kann sich freiwillig auf dem elektrischen Stuhl hinrichten lassen. Das mächtige Satellitensystem läßt sich mittels einer scharfmachenden Mini-CD-ROM ähnlich einer TV-Zapping-Apparatur steuern.
So weit so gut. Doch im weiteren Verlauf werde ich euphorischer Idiot auf den Teppich zurückgeholt. John Carpenter, durch innovative und teils äußerst kritische Low Budget-Produktionen wie Dark Star oder The Fog berühmt geworden, klaut bei Terry Gilliams Brazil, bei Total Recall und vor allem bei sich selbst.
Wohlgesinnte Kritiker bescheinigten ihm bei der Fortsetzung, er würde sein eigenes Werk "zitieren", wie es oft bei Klassikern gemacht wird. Aber das ist beschönigend. Tatsächlich werden Charaktere, Szenerien, Dialoge, sogar Kamerafahrten, eigentlich der gesamte Aufbau des 1.Teils von vorne bis hinten kopiert. Und die paar leichten Variationen des Original-Storyboards sind einfältig und tricktechnisch schlecht.
Ausgestattet mit der alles bestimmenden Code-CD-ROM stürzt die Tochter des US-Präsidenten mit ihrem Flieger genau über L.A. ab. In den Händen der Gesetzlosen bedeutet die Satellitenwaffe eine Bedrohung für die ganze Welt. Nur einer kann die Situation retten : der hochdekorierte aber kriminelle Snake Plissken (Kurt Russell).
Alles (bisherige und) weitere ist ein billiger Abklatsch des Originals. Um Snake gefügig zu machen, wird ihm ein Virus injiziert, der innerhalb 24 Stunden tödlich wirkt. Der Wettlauf mit der Zeit beginnt erneut. Statt mit einem Segelflugzeug gelangt Plissken mit einem U-Boot nach L.A., sondiert die Lage und muß diverse Gefahren bestehen.
Man hat den Eindruck, John Carpenter und Kurt Russell, der am Drehbuch mitgewirkt hat, wollten die Fortsetzung im Comic-Stil a la Bat-Man aufbereiten - ein Film, der bewußt nicht ernst genommen werden
will oder soll. Das geht bei Flucht aus L.A. m.E. völlig daneben. Denn obwohl Die Klapperschlange mit dem ultracoolen, wortkargen Einzelkämpfer Snake Plissken an die Grenze ging, wirkt der '80er Fiction/Action-Streifen auch heute nie lächerlich.
Vielleicht kommt dies alles besser, wenn man das Original nicht kennt. Wahrscheinlich setzt ein einfallsloser - seit einiger Zeit eh auf Remakes alter Klassiker konzentrierter (u.a. Das Dorf der Verdammten) - John Carpenter nach 16 Jahren auf ein anderes Publikum.
Für alle alten Snake-Fans gilt deshalb die Warnung : nicht ansehen ! Wie bei Mad Max 3 muß es heißen : diese Fortsetzung wurde nie gedreht. Sie existiert nicht. Punkt.
Ach ja, ein Gutes hat der Film doch : Haudegen Kurt Russell scheint gegenüber Escape from N.Y. nur um Minuten gealtert - es gibt also ein Leben nicht nur über 30, sondern sogar weit über 40 ! Beruhigend.