Gemeint ist nicht die unwirtliche Landschaft aus Mandelkern und Frontallappen, sondern eine bizarre Zwischenwelt, die bestenfalls mit Bewusstsein umschrieben werden kann.
Joel flüchtet mit seiner Version Clementines durch seinen Verstand. Wenn sich beide dorthin zu retten versuchen, wo sie nicht vermutet werden - beispielsweise in demütigenden Kindheitserinnerungen - realisiert Gondry dies temporeich mit tricktechnischen Finessen. Das Bild löst sich tatsächlich unmittelbar hinter den Fliehenden auf, allein durch Joels Vorstellungskraft springen die Gejagten von einem Ort zum anderen zwischen den Zeiten hin und her, bis diese Kategorien gänzlich aufgehoben scheinen.
Während dieser irren Verfolgungsjagd feiern die für den Vorgang verantwortlichen Techniker Stan und Mary, von Mark Ruffalo und Kirsten Dunst herrlich gewissenlos verkörpert, eine wilde Orgie mit Hasch und Rockmusik auf dem in seinem komatösen Zustand gefangenen Joel und ahnen nichts von seinem verzweifelten Kampf gegen das Vergessen.
Eine weitere Überraschung in der Nebenbesetzung ist Elijah Wood, der sich mit dem gesammelten Wissen aus Clementines Akte geschickt das Herz der hübschen Chaotin krallt. Als abgezockter Psychopath spielt er sich mit hämischer Freude von seinem
Frodo-Image frei, dass man ihm nicht in einem dunklen Park begegnen möchte.
Herzstück in Vergiß mein nicht!, so der selten dämliche Titel des deutschen Verleihs, sind jedoch Kate Winslet als Clementine und Jim CarreysJoel. Jeder der Beiden versinkt in seiner verwirrten und verwirrenden Figur und gemeinsam bilden sie ein Paar, welches unterschiedlicher nicht sein könnte und dessen Chemie gerade deshalb zu stimmen scheint.
Ob Joel seinem selbstgewählten Schicksal entrinnen kann, wird man nicht von mir, sondern nur im Kino erfahren. Vorab verraten sei nur, dass Vergiß mein nicht! am Schluss beginnt und wiederum ein grandioses Finale hat, welches selbst den überzeugtesten Zyniker unter den Zuschauern berühren wird.
In Kombination mit dem Ideenreichtum Kaufmans und der abgedrehten Umsetzung des gebürtigen Franzosen Gondry ist Eternal Sunshine of the Spotless Mind eines der Kinohighlights dieses Jahres und der schönste Film seit langem.
Der Originaltitel stammt aus einem Gedicht von Alexander Pope und bedeutet sehr frei übersetzt: Selig sind die Unwissenden.
Voller Witz, erstaunlich und überraschend in jeder Minute ist Eternal Sunshine of the Spotless Mind so auch ein ganz großer Film über die Liebe, der eben diese Seligkeit in Frage stellt. Denn was bliebe uns manchmal überhaupt, wenn nicht die Erinnerung?
Gebe es Lacuna Inc. in Wirklichkeit, würde es dem Firmenkonzept wohl widersprechen, Werbung zu machen. So gibt es vielleicht längst etwas Vergleichbares, und ihr habt selbst schon euer Gehirn durchspülen lassen, um etwas zu vergessen...