Motor und Beginn ihrer Reise ist wie so oft das Ende einer Liebesbeziehung. Nachdem Elisabeth (Jones) versucht hat, ihren Kummer zunächst mit viel Gezeter, später mit noch mehr Blaubeerkuchen und Jude Law zu heilen, steht sie eines Abends mit gepackten Koffern im Schatten einer Laterne, um einen letzten, sehnsuchtsvollen Blick hinauf in die Wohnung ihres Verflossenen zu werfen. Während sich dieser bereits mit einer neuen Freundin vergnügt, fragt sich Elisabeth, wie man sich von einem Menschen für immer verabschieden soll, ohne den man nicht leben zu können glaubt.
Fortan bleibt sie ständig in Bewegung. Sie nimmt gleich zwei Jobs in einem kleinen Nest an und hindert ihr zerbrochenes Herz durch Arbeit bei Tag und Nacht daran, zurück zu blicken. Bis dahin hat sie ihre Reise nicht nur durch ein geographisches Amerika geführt. Vielmehr durchstreift Elisabeth die üblichen Landschaften seelischer Abgründe, die Wong Kar Wai so gerne selbst stundenlang zu betrachten scheint. Die verwandten Seelen, die ihr dabei begegnen und die menschlichen Dramen (David Strathairn, Rachel Weisz wie auch Natalie Portman in ihrer besten Rolle seit Leon) relativieren letztlich ihr eigenes Gefühlschaos.
Wollte man sich nach dem Konsum von Happy Together oder In The Mood For Love noch todtraurig aus dem Fenster stürzen, lässt einen My Blueberry Nights irgendwie versöhnt, aber auch seltsam ungerührt zurück. Vielleicht liegt das daran, dass die Liebesgeschichte zwischen Norah Jones und Trostspender Jude Law seltsam nebensächlich anmutet oder Wong Kar Wai meinte, dem amerikanischen Publikum nur eine dezent weichgespülte Variante seiner sonst so melancholischen Beziehungskisten zumuten zu können. Vielleicht wollte er seinem Publikum auch einfach nur einen kurzen Moment der Unbeschwertheit gönnen.
Rein stilistisch ist sich Wong Kar Wai jedoch treu geblieben: die großen, braunen Augen von Norah Jones wirken ebenso traurig wie die von Kar Wais voriger Muse Maggie Cheung. Die in farbenprächtigen Schlieren eingefangenen Sonnenuntergänge Amerikas stehen den bunten Lichtern Shanghais in
nichts nach und die gewohnt wortarme, langsame Erzählweise trotzt der allgemeinen Hast Hollywoods.
Am Ende ist es dann doch nur die versöhnlichere, optimistischere Botschaft, die My Blueberry Nights vermittelt: Es ist nicht immer leicht, auf einen geliebten Menschen zu warten. Aber auch nicht wirklich schlimm, wenn man ihn am Ende doch noch in die Arme schließen kann.