Leaving Las Vegas

Vorsicht, dies ist ein Film, bei dem Zuschauer schon einmal den Saal verlassen können. Vereinzelt, nicht in Scharen (und berechtigt) wie man es z.B. bei Natural Born Killers aufgrund der auf die Spitze getriebenen Brutalität eines wütenden Oliver Stone oder spätestens der Übelkeit erregenden Schlussszene von Peter Greenaways Der Koch, der Dieb, seine Frau und Ihr Liebhaber erlebt hat. Bei Leaving Las Vegas verlassen vor allem frisch verliebte Pärchen das Kino. Dabei hätten sie nur etwas warten müssen. Denn dies ist durchaus ein Film über große Liebe.

Leaving Las Vegas von Mike Figgis u.a. mit Nicolas Cage, Elisabeth Shue, Julian Sands - Video, DVD online bestellen Doch man wird von Mike Figgis (Internal Affairs, One Night Stand) gleich in der ersten Szene vor den Kopf gestossen, in der er seinen Hauptdarsteller Ben (Nicolas Cage) beim "Einkaufen" zeigt. Offensichtlich gut gelaunt packt der Flasche um Flasche in den Einkaufswagen, so daß man meinen könnte, er plane eine Party zusammen mit Ozzy Osborne, Keith Richards und "Barfly" Charles Bukowski.

Bald wird klar, daß dies maximal eine Wochenration allein für Ben ist, der den Status eines gar nicht mal so selten vorkommenden Wochenend-Alkoholikers bereits weit überschritten hat. Ohne Spiegel geht bei ihm gar nichts mehr. Für eine simple Banküberweisung muß er sich in der Bar nebenan den Tremor wegtrinken.

Ob die Sauferei während oder aufgrund seiner gescheiterten Ehe begann, erfährt man womöglich in der gleichnamigen Novelle von John O'Brien; Regisseur Figgis liefert im Film keine hinreichende Begründung für den Amoklauf, die es vielleicht auch gar nicht gibt.

Als Ben aus verständlichen Gründen gekündigt wird, beschließt er, sich in Las Vegas zu Tode zu saufen. Ab jetzt werden wir von Figgis zu hilflosen Zeugen degradiert, die zuschauen müssen, mit welch erschreckender Konsequenz dieser ernst gemeinte Plan durchgeführt werden soll.

In Las Vegas angekommen, trifft Ben das gut verdienende, aber ebenso einsame Callgirl Sera. Zwischen den beiden verlorenen Seelen entwickelt sich eine Love-Story, die trotz der ergreifenden Traurigkeit des Plots Sehnsüchte nach kompromissloser Offenheit, Ehrlichkeit, Toleranz und Verständnis weckt.

Leaving Las Vegas Soundtrack bestellen Leaving Las Vegas ist ein stark polarisierendes Kontrastprogramm zum üblichen "wann-kriegen-sie-sich-Geschnulze" Hollywoods. Farben, Locations, Musik (u.a. Sting), Schnitt und vor allem Nicolas Cage und Elisabeth Shue harmonieren perfekt.

Cage hat für diese relativ schlecht bezahlte Rolle einen Oscar als bester Hauptdarsteller erhalten. Es verwundert, daß seine attraktive Partnerin Shue (u.a. Karate Kid (1984), Cocktail (1988), Zurück in die Zukunft (1989+1990), Hollow Man (2000)) den richtigen Durchbruch bislang nicht erlangt hat oder will.

Gehört man zu der Zuschauergruppe, die sich zumindest in gewisser Weise mit dieser Beziehung identifizieren kann, erlebt man teilweise schwer erträgliche, erniedrigende Szenen. Die Story gönnt uns nur Minuten lang Illusionen. Man möchte sie am liebsten umbiegen, den Zerstörungstrieb von Ben in eine andere Richtung lenken.

Doch der ist gnadenlos - gnadenlos gut.

John O'Brien hat das gleichnamige Buch 1991 geschrieben. Vor Beginn der Dreharbeiten des 1995 erschienenen Films hat er sich im Alter von 33 Jahren umgebracht.

time.com: John O'Brien left behind another dark tale of the drinking life

imdb.com: Leaving Las Vegas

amazon.de: Leaving Las Vegas: DVD - Soundtrack - Buch von John O'Brien

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